Ehrenbrief des Landes Hessen für Helmut Ruppel
Ehrenamtskarte für Timo Abersfelder, Günter Birkler, Annett Schmidt, Rudi Wolf und Herbert Schreiber
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Schmetterlinge

Malven Dickkopffalter

Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae); Rote Liste Hessen = 3 (gefährdet)

Der Malven-Dickkopffalter ist wie alle Dickkopffalter klein (Spannweite nur bis 3 cm) und eher unscheinbar. Deshalb wird er auch leicht übersehen. Kennzeichnend ist die auf dem linken Foto erkennbare Flügelzeichnung.  Er ist der einzige einheimische Tagfalter, dessen Raupen an Malven-Arten, zu denen auch die beliebten Stockrosen gehören, fressen. Diese Raupen sind anhand ihrer drei gelben Flecken hinter dem Kopf (rechtes Foto) leicht zu erkennen. Die Art mag es warm und gehört somit zu den Profiteuren des Klimawandels. Im Buntsandsteinspessart, wo er noch vor 20 Jahren nicht zu finden war, kommt der Malven-Dickkopffalter nur an wärmebegünstigten Stellen vor. Die steilen Magerwiesen am Zöllersberg heizen sich vor allem nachmittags stark auf und bieten diesem Schmetterling heute optimale Lebensbedingungen.

Fotos von Franz Walter,  links:  Imago  am Zöllersberg bei Oberndorf, 25.04.2020; rechts: Raupe an Stockrose, Burgjosser Straße Oberndorf, 02.07.2020

Baumweißling

Baumweißling (Aporia crataegi); Rote Liste Hessen = 3 (gefährdet)

Der Baumweißling gehört mit einer Flügelspannweite von bis zu 8 cm zu den größten einheimischen Tagfaltern. Er ist aufgrund seiner schwarzen Äderung gut von den viel häufigeren Kohlweißlingen zu unterscheiden. Der Baumweißling bildet nur eine Generation pro Jahr aus und fliegt im Mai und im Juni. Der von ihm bevorzugte Lebensraum ist mit Gebüschen durchsetztes, mageres Grünland. Das Gebiet am Zöllersberg entspricht demnach exakt diesen Anforderungen. Im gesamten Spessart war die Art lange Jahre verschollen. Die letzte Beobachtung datierte aus 1994. In 2020 gelangen dann die ersten Beobachtungen nach 26 Jahren. Heuer konnten wir diesen schönen Falter auch am Zöllersberg beobachten.

Foto von Eddy Röder am Schnöneberg östlich  Oberndorf, 29.06.2021

Brauner Feuerfalter

Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus); Rote Liste Hessen = V (Art der Vorwarnliste)

Der zu den Bläulingen gehörende Braune Feuerfalter gehört zu den Tagfalterarten, bei denen die Geschlechter anhand äußerer Merkmale unterschieden werden können. Die Flügeloberseiten der Weibchen (links) sind intensiver gefärbt als die der Männchen (rechts). Die Unterseiten sind gelbbraun bis schwefelgelb gefärbt, weshalb dieser Schmetterling auch Schwefelvögelchen genannt wird. Die Art bildet jährlich zwei Generationen aus. Die erste fliegt von April bis Juni, die zweite von Juli bis September. Die Raupen ernähren sich vom Großen (Rumex acetosa) und Kleinen Sauerampfer (Rumex acetosella), wobei die zweite Pflanze am Zöllersberg die Hauptrolle spielen dürfte. Die Art stellt keine besonderen Ansprüche an ihre Wiesenlebensräume, nur der Sauerampfer und eine gewisse Menge an Blütenpflanzen zur Nektaraufnahme muss vorhanden sein. Diese Voraussetzungen bieten die Habitate am Zöllersberg im Gegensatz zu den benachbarten intensiv genutzten Flächen im Überfluss.

Linkes Foto von Eddy Röder: Weibchen Am Buschel, Oberndorf, 29.05.2021;    rechtes Foto von Franz Walter: Männchen in der Sandkaute, Oberndorf, 30.05.2019

Feuriger Perlmutterfalter

Feuriger Perlmutterfalter (Fabriciana adippe); Rote Liste Hessen = 2 (stark gefährdet)

Kennzeichnend für diesen mittelgroßen Perlmutterfalter ist die fein schwarz gerandete, rötlich-braun eingefasste Reihe kleiner Perlmuttflecken in der Postdiskalregion der Flügelunterseite, anhand derer er sich gut vom sehr ähnlichen Großen Perlmutterfalter (Speyeria aglaja) unterscheiden lässt. Der Feurige Perlmutterfalter fliegt bei uns in einer Generation je nach Witterungsverlauf von Mitte Juni bis in den August hinein. Seine Raupen ernähren sich, wie auch die anderer Perlmutterfalterarten, von Veilchen. Am Zöllersberg spielt wohl das Hunds-Veilchen (Viola canina; rechtes Foto) die Hauptrolle. Das Hunds-Veilchen ist typisch für Magerwiesen bodensaurer Standorte und steht selbst auf der hessischen Roten Liste in der Kategorie V = Vorwarnliste. Die Bestände am Zöllersberg gehören zu den größten in unserer Region. Die in Hessen stark gefährdete Tagfalterart hat im Spessart einen ihrer Verbreitungsschwerpunkte. Die Tiere sind beim Saugen von Nektar hauptsächlich an violetten Blüten, wie oben die Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) zu finden. Die Bedingungen am Zöllersberg bieten auch für diese hessische Rarität gute Lebensbedingungen, da sie bisher von intensiver Nurtzung verschont geblieben ist.

Fotos von Franz Walter am Zöllersberg; linkes Bild 12.08.2021;, rechtes Bild 29.05.2021

Magerrasen Perlmutterfalter

Magerrasen-Perlmutterfalter (Boloria dia); Rote Liste Hessen = V (Art der Vorwarnliste)

Der Magerrasen-Perlmutterfalter ist der kleinste aller einheimischen Perlmutterfalter. Die Oberseite der Flügel trägt die für alle Perlmutterfalter typische schwarze Punkt- und Fleckenzeichnung auf gelb-braunem Grund. Die charakteristischen Merkmale der Art finden sich auf den Flügelunterseiten. Dies sind einerseits die dunkelbraun-violette Binde in der Postdiskalregion sowie der rechtwinklig wirkende Schnitt der Hinterflügel. Die Art bildet bei uns zwei Generationen aus und fliegt von Ende April bis Mitte Juni und von Mitte Juli bis Ende August. Die Raupen fressen wie die der vorigen Art an Veilchen. Auch für sie stellt wahrscheinlich das Hunds-Veilchen bei uns die Hauptnahrungsquelle dar. Die Art ist typisch für magere Halbtrockenrasen und hat am Zöllersberg ihre einzige Population im gesamten Jossgrund.

Fotos von Franz Walter: linkes Bild: 19.07.2021 nördlich Burgjoß;, rechtes Bild: 14.05.2021 am Zöllersberg

Wachtelweizen Scheckenfalter

Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia); Rote Liste Hessen = 2 (stark gefährdet)

Der Wachtelweizen-Scheckenfalter ist eine weitere hessische Rarität des Zöllersberges. Die Scheckenfalter sind den Perlmutterfaltern äußerlich recht ähnlich, unterscheiden sich in ihrer Ökologie jedoch deutlich. Die Art fliegt bei uns von Mitte Juni bis Ende Juli in einer Generation. Die Raupen leben bis nach der Überwinterung in gesellig in Gespinsten an ihren Nahrungspflanzen, zu denen Wachtelweizen- und Ehrenpreisarten sowie Spitzwegerich gehören. Diese Lebensweise wird den Tieren auf unseren intensiv landwirtschaftlich genutzten Wiesen zum Verhängnis. Die modernen Mähwerke zerstören die Raupengespinste und somit auch den Nachwuchs des Wachtelweizen-Scheckenfalters. Dies  hat unter anderem dazu geführt, dass die Art heute in Hessen stark gefährdet ist. Die Magerwiesen am Zöllersberg stellen für diesen besonderen Falter einen der wenigen Lebensräume in unserer Region dar.

Fotos von Franz Walter: linkes Bild: 21.06.2021 südöstlich Deutelbach;, rechtes Bild: 02.07.2021 am Zöllersberg